Die globalen Wirtschaftsaktivitäten leben zwar wieder auf, doch herrscht große Unsicherheit, die sich auch auf die Rohstoffmärkte auswirkt. Die Prognosen der IKB gehen davon aus, dass Europa keinen zweiten Shutdown bekommt. Von den führenden Wirtschaftsnationen wird allein für die Volksrepublik China noch ein kleiner Anstieg des Bruttoinlandsproduktes gesehen. Innerhalb der Europäischen Union fällt der Einbruch in Italien, Spanien und Frankreich im Vergleich zu Deutschland gravierender aus. Die Erholung in Europa im Jahr 2021 wird bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen voraussichtlich schwächer ausfallen.

Aufholeffekte in der Automobilindustrie erwartet

Nach starkem Wachstum zwischen 2013 und 2017 sank die globale Automobilproduktion in den Jahren 2018 und 2019 wieder – unter anderem aufgrund von Handelskriegen und dem Brexit. Das Jahr 2020 ist von der Corona-Krise geprägt; die IKB rechnet nur noch mit einer Produktion von gut 68 Millionen Light Vehicles, was einen globalen Einbruch von über 22 Prozent bedeutet. Europa und Nordamerika sind den Angaben nach am stärksten betroffen; in China dagegen gibt es seit April wieder positive Absatzmeldungen. Für das Jahr 2021 werden große Aufholeffekte erwartet.

Kräftiger Einbruch in der Maschinenbauproduktion

Die Nachfrage nach Maschinenbauprodukten dürfte weltweit erst im Verlauf des Jahres 2021 weiter anziehen. Die Maschinenbauproduktion in Deutschland wird in diesem Jahr einen kräftigen Einbruch von 20 Prozent erleiden. Die IKB geht davon aus, dass sich die Umsätze in China – nach dem Rückgang im laufenden Jahr – als erstes erholen. Belastet wird die Maschinenbauproduktion primär von der geringeren Nachfrage der Automobilindustrie sowie den geopolitischen Auseinandersetzungen, inklusive der Handelskriege. Das Einbrechen der Exporte auch vieler anderer Abnehmerbranchen und das deutliche Absinken der Kapazitätsauslastung bremst nicht nur in Deutschland die Investitionsbereitschaft in neue Maschinen und Anlagen.

Schrottpreise dürften wieder anziehen

Die Weltrohstahlproduktion brach infolge von Produktionsunterbrechungen bis Ende Mai 2020 um fünf Prozent ein; China legte jedoch um plus 1,9 Prozent zu. Für 2020 sieht die IKB einen Rückgang von insgesamt gut drei Prozent. Besonders ausgeprägt dürfte der Rückgang in Südeuropa ausfallen. Für Deutschland wird eine Tonnage von deutlich unter 40 Millionen Tonnen erwartet. Die Eisenerzpreise haben in den letzten drei Monaten wieder angezogen und bewegen sich um 100 US-Dollar je Tonne. Die Schrottpreise dürften nach der Sommerpause wieder anziehen.

Legierungsmetalle: Nachdem der Nickelverbrauch mit 2,47 Millionen Tonnen 2019 einen neuen Rekord erzielte, wird für 2020 ein Rückgang auf 2,4 Millionen Tonnen erwartet. Die Lagerbestände an der LME haben sich bei 234.000 Tonnen Anfang Juli 2020 stabilisiert. 28.000 Tonnen befinden sich an der SHFE. Die IKB sieht den Nickelpreis bis zum Ende des dritten Quartals 2020 in einem Band von plus/minus 2.500 US-Dollar um 12.500 US-Dollar pro Tonne. Gegen Ende 2019 gerieten die Preise für Ferrochrom infolge von Kapazitätserhöhungen in China unter Druck. 2020 dürften Kapazitätsreduktionen durchgeführt werden. Die IKB sieht den Ferrochrompreis weiterhin um die 7,00 US-Dollar je Kilogramm Reinchromgehalt. In diesem Jahr wird ein Rückgang der Ferromolybdänproduktion erfolgen.

Rostfreier Stahl: 2019 stieg die Produktion von rostfreiem Edelstahl auf 52,2 Millionen Tonnen. Dies war jedoch allein auf den Zuwachs in China zurückzuführen: Die Volksrepublik hält einen Anteil von 56 Prozent an der Produktion. Weltweit dürfte 2020 ein Abschmelzen der Produktion auf rund 51,5 Millionen Tonnen erfolgen. China wird jedoch seine dominierende Position ausbauen, glaubt die IKB, und rund 29 Millionen Tonnen rostfreien Edelstahl produzieren. Mitte Juni 2020 brachen die Basispreise für rostfreien Stahl kräftig ein. Gleichzeitig stagnierten die Legierungszuschläge für die 43er Güten, während die 44er Sorten um circa zwei Prozent günstiger wurden. Damit haben sich die Margen weiter verengt, stellt die IKB fest. Bis Ende September 2020 wird jedoch bei beiden Grundsorten eine Belebung der Basispreise auf das Niveau von Mai 2020 erwartet.

Aluminium wird wieder stärker nachgefragt werden

Bis Ende Mai 2020 stieg die Primäraluminiumproduktion um 1,4 Prozent. Bei den Lagerbeständen erfolgte im Juni an der LME ein Anstieg auf 1,64 Millionen Tonnen, während sie an der SHFE auf 0,24 Millionen Tonnen sanken. Somit gleichen sich diese gegenläufigen Entwicklungen weitgehend aus. Die investive Nachfrage brach um gut ein Drittel auf den niedrigsten Wert Ende 2019 ein. Die Primäraluminiumpreise erholten sich im Juni etwas, die Preise für Aluminium Alloy tendierten seitwärts. Bis zum Ende des dritten Quartals 2020 wird eine Preisbewegung für Primäraluminium um die Marke von rund 1.650 US-Dollar je Tonne in einem Band von plus/minus 200 US-Dollar je Tonne erwartet. Der Preis für die Aluminium Alloy liegt bis zu 400 US-Dollar darunter. Gegen Jahresende 2020 sieht die IKB höhere Notierungen und eine stärkere Nachfrage nach Aluminium aus der Automobilindustrie. „Der Trend zum Leichtbau wird auch durch Corona nicht gebrochen werden“, kommentierte Dr. Heinz-Jürgen Büchner.

Kupfer: Der Tiefpunkt der Nachfrage dürfte erreicht sein

Während die Kupferminenproduktion leicht zulegte (+ 0,5 Prozent), stagnierte die Raffinade Produktion bis zum Ende des ersten Quartals 2020. Da der Verbrauch um – 2,5 Prozent sank, wies der Markt ein Überangebot auf. Im Verlauf des Jahres 2020 erwartet die IKB jedoch einen anziehenden Bedarf. Der Tiefpunkt der Nachfrage dürfte im Mai erreicht worden sein. Im Gesamtjahr 2020 wird der Markt aber ein leichtes Defizit ausweisen, so die Prognose. Aktuell sinken die Lagerbestände an der Börse in Shanghai kräftig. Diejenigen an der LME sind leicht rückläufig. Die investive Nachfrage zog kräftig an. Die Anzahl der Handelskontrakte stieg um gut die Hälfte. Bis Ende September wird eine Bewegung um die Marke von 6.000 US-Dollar pro Tonne in einem Band von 750 US-Dollar erwartet.

Quelle: www.eu-recycling.com

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